
Fürs Klickern mit Biene habe ich mich durch unzählige Bücher und DVDs gewälzt und die Theorie an Biene ausprobiert. Das meiste lerne ich aber immer in der Praxis bei Seminaren und beim gemeinsamen Training mit Freunden dazu. Die folgenden Tipps & Tricks haben sich bei Biene und mir sehr gut bewährt. Daher möchte ich sie gerne weitergeben.
Ich achte auf kurze Übungseinheiten, die hin und wieder ganz langsam gesteigert werden können, um Biene nicht zu überfordern und die Motivation langsam aufzubauen.
Dabei versuche ich, die Übungen so einfach zu gestalten, dass eine hohe Klickerfrequenz erreicht werden kann. Entsprechend kann ich auch viel belohnen, sodass Biene eine Menge Erfolgserlebnisse beim Arbeiten hat.
Die Klickerfrequenz sollte mindestens fünf Klicks pro Minute betragen. Ist sie niedriger, ist der Hund schnell frustriert und verliert die Lust am Arbeiten. Bei einer sehr hohen Klickerfrequenz kann das sog. „Muscle Memory“ entstehen. Das heißt, der Hund erinnert sich an eine Bewegung, die er sehr, sehr oft ausgeführt hat, und gibt sie auf Dauer fast automatisch wieder.
Jede Übungseinheit beginne ich mit einem Einschaltsignal (z.B. „Action“). Das versetzt Biene in den „Arbeitsmodus“ und fördert ihre Motivation. Die Einheit beende ich dann wieder mit einem Ausschaltsignal (z.B. „Fertig“), wobei ich darauf achte, sie immer dann auszuschalten, wenn ich nicht mit 100% meiner Aufmerksamkeit bei ihr bin. Bei Biene muss ich da stark aufpassen und darf nicht nachlässig werden, weil sonst auch ihre Aufmerksamkeit sofort flöten geht.

Für das Freie Formen, bei dem der Hund selbst etwas anbieten soll, verwende ich ein anderes Einschaltsignal als beim Tricktraining bzw. Dogdance. So weiß Biene genau, wann ihre eigene Kreativität gefragt ist, und wann es auf die präzise Ausführung der Signale ankommt.
Neben dem Klicker verwende ich auch ein Klickwort („Klick“), das ich genauso einsetze wie den Klicker. Für Biene hat es daher die gleiche Bedeutung wie der Klicker und erspart mir, den Klicker immer und überall dabei und parat zu haben.
Zusätzlich zum Klicker oder dem Klickwort verwende ich auch ein sog. „Keep-going“-Signal („Weiter“), das dem Hund sagt: „Du bist auf dem richtigen Weg, mach weiter so.“
Und dann benutze ich auch ein sog. „motivierendes Nichtbelohnungssignal“, das „Das ist falsch, probiers nochmal“ bedeutet. Mit diesem Signal muss man bei Anfängerhunden und Hunden mit geringer Frustrationsschwelle (wie Biene) aufpassen und es eher sparsam einsetzen, um sie nicht zu demotivieren. Auch bei unsicheren Hunden sollte man anfangs vorsichtig sein, denn sie sollen ja lernen, sich mal etwas zu trauen.
![]() |
„Also ich nenne das Folter!“ |
Zeigt der Hund ein bestimmtes Verhalten sicher auf eine vorhergehende Aktion (z.B. auf Gestik, Mimik oder eine Bewegung des Menschen oder auf einen sonstigen Zusammenhang), kann das Verhalten so unter ein Wortkommando gestellt werden:
![]() |
Warum nicht mal das „Nach-Links-Schauen“ klicken?! |
Alternativ zu einem Wortkommando kann man so auch ein Handsignal u.ä. aufbauen.
Ob Biene auf Wort- oder Sichtkommando reagiert ist mir nicht so wichtig. Ich arbeite viel mit Körpersprache, weil sie sich damit leichter tut. Im Dogdance ist es aber sinnvoll, Vieles auf Wortkommando zu setzen, damit man sich auch mal unabhängig vom Handsignal bewegen kann.
Im Alltag zeigt der Hund immer wieder bestimmte Verhaltensmuster, oft zur gleichen Zeit bzw. im gleichen Zusammenhang. Manche rollen sich z.B. immer an der gleichen Stelle im Gras, streichen sich nach dem Fressen mit den Pfoten über die Schnauze oder strecken sich nach dem Schlafen. Für diese Verhaltensweisen kann man sich den Klicker parat legen und immer genau dann klicken, wenn der Hund sie zeigt.
Viele Hunde fangen dann an, das Verhalten gleich nach dem Klick oder öfter im Alltag zu zeigen. Wenn das Verhalten sicher in einer bestimmten Situation gezeigt wird, kann es unter Signalkontrolle gestellt werden.
![]() |
... und dann das „Nach-Rechts-Schauen“ - so kann daraus mal ein Kopfschütteln werden |
Viele Anfänger trauen sich oft nicht, zu klicken, da sie Angst haben, dem Hund eine falsche Info zu vermitteln. Deshalb kann es besser sein, erst einmal mit dem Freien Formen zu beginnen, und nicht schon konkret an einem Trick zu arbeiten.
Natürlich kann man mit dem Freien Formen auch viele Tricks erarbeiten. Das setzt aber voraus, dass der Hund schon eine gewisse Zeit geklickert wird und vor allem gelernt hat, dass er hier nichts falsch machen kann und sein „Hirn“ einsetzen darf.
Shaping ist Lernen durch Versuch und Irrtum. Der Hund erarbeitet sich mit seinem Menschen zusammen einen Trick oder ein sonstiges Verhalten durch selbständiges Denken. Das ist zwar in den meisten Fällen die aufwändigste Art und Weise, etwas zu erlernen. Andererseits hat der Hund ein so erlerntes Verhalten rein positiv verknüpft und wird es daher sehr gern und sehr oft ausführen.
![]() |
„Das „Peng“ kann ich doch schon recht gut, oder?!” |
Ängstliche und unsichere Hunde lernen dadurch, dass sie nichts falsch machen können, sondern durch Ausprobieren, also sich etwas Neues zu trauen, zu einer Belohnung kommen. Sie können dadurch unbewusst Hindernisse überwinden und Hemmungen abbauen.
Bei unkonzentrierten, schwer motivierbaren Hunden lernt dabei zuerst einmal der Mensch, aus seiner Animateurrolle herauszukommen und nur den Hund agieren zu lassen. Der Hund lernt, dass er selber aktiv werden muss, um an die Belohnung zu kommen. Das Nachdenken strengt an und lässt keine Zeit mehr für sonstige Ablenkungen. Der Hund beginnt, sich mehr auf die „Futterquelle“ Mensch zu fixieren. Dies setzt allerdings voraus, dass mit hoher Erfolgsquote gearbeitet wird und die Ablenkung nur ganz langsam an das Trainingsniveau angepasst wird.
Das gemeinsame Erarbeiten eines Verhaltens schafft Bindung und Vertrauen zwischen Mensch und Hund.
Es ist die geistige Beschäftigung schlechthin, denn das Lernen nach Versuch und Irrtum ist für Hunde höchst anstrengend.
Man darf das Shapen nicht unterschätzen. Für Anfänger sind drei Minuten schon sehr anstrengend. Daher sollte man anfangs immer nur sehr kurze Trainingseinheiten machen, um dem Hund nicht die Lust am Arbeiten zu nehmen.
Es gibt zwei Arten des Shapings:

Für Klickereinsteiger eignet sich das Freie Formen mit Gegenständen sehr gut. Eine gute Übung für Anfänger ist „101 Dinge, die man mit einer Kiste machen kann“:
Man braucht dazu einen größeren Karton (im Idealfall so groß, dass der Hund gerade noch drin sitzen kann), Klicker und Leckerchen.
Jede neue Aktion wird belohnt (z.B. Blick zur Kiste, linke Pfote am rechten Kistenrand, linke Pfote in der linken Ecke der Kiste, rechte Pfote am hinteren Kistenrand, Schnauze am Kisteninnenrand usw.).
Hund und Mensch lernen so, mit dem Klicker umzugehen, ein Feeling fürs Timing (den genauen Klickzeitpunkt) und für ein entspanntes, nicht so stark zielgerichtetes Arbeiten zu bekommen.
Eine weitere Anfängerübung ist das Berühren des Targetstabs. Sehr schön erklärt auf www.clicker.de.
![]() |
Biene beim "Nicken" |
Gut für Hunde geeignet, die nur über ein kleines Repertoire an Tricks verfügen. Um dafür ein Feeling zu bekommen, reicht es aber schon, wenn man anfangs nur alltägliche Bewegungen klickt. Hier kann man dann auch wunderbar sein Feeling verbessern und kleinste Feinheiten herausklickern (sog. Microshaping).
Ich persönlich nutze es gern, um mit Biene einfach mal nur so drauf los zu klickern. Eine gute Gelegenheit also, um uns ein paar lustige Minuten zu gönnen, nach denen sie total müde ist. Beim Shapen ohne Gegenstände bietet Biene immer gern ihre Lieblingstricks und die erst vor Kurzem gelernten an. Inzwischen passiert es aber auch immer öfter, dass sie ganz neue Verhaltensansätze zeigt und das wird dann natürlich fleißig belohnt.

Biene liebt Tricktraining. Daher bin ich auch immer auf der Suche nach neuen Trickideen. Leider haben wir schon so ziemlich alle Tricks durch, die in den gängigen Hundebüchern erklärt werden und die Biene auch aufgrund ihrer körperlichen Konstitution ausüben kann. Denn mit einem Hund dieser Größe brauche ich keinen Sprung durch den Armkreis, oder gar das Stehen auf den Hinterbeinen üben.
Die Infos zum Tricktraining auf dieser Homepage gibt's hier.
Zwei spitzenmäßige DVDs zum Tricktraining, die ihresgleichen noch suchen, gibt’s von Denise. In der Folge 2 der DVD darf auch Biene ein paar schöne Tricks zeigen.
Das Internet ist auch eine gute Quelle. Ich hole mir hauptsächlich von www.clickersolutions.com viele Infos und Ideen. Ansonsten gibt’s noch www.spass-mit-hund.de oder einfach mal auf YouTube surfen.
Sehr zu empfehlen ist natürlich das regelmäßige Treffen mit Gleichgesinnten, um neue Ideen und Tipps auszutauschen.
Mit dem Klicker wurde vor allem in Deutschland lange Zeit nur im Trick- und Funsportbereich gearbeitet. Glücklicherweise hat das Klickern inzwischen auch im Bereich der Hundeerziehung Einzug gehalten und findet hier insbesondere in "Problemfällen" erfolgreiche Anwendung. Sogar bei dem "heiklen" Thema Antijagdtraining kann ich das Klickern aus eigener Erfahrung sehr empfehlen. Voraussetzung dafür ist allerdings eine intensive Einarbeitung in das Thema Klickertraining und, seinen Hund sehr genau einschätzen und lesen zu können.
Aber auch für diese eher leichteren Erziehungsübungen hat sich das Klickern gut bewährt:
![]() |
Eine Frage bleibt: Wer klickt hier eigentlich wen? |
Für den Einsatz des Klickers in der Erziehung kann ich alle Bücher von Sabine Winkler und Viviane Theby empfehlen.
In das Thema „An lockerer Leine gehen“ habe ich viel Zeit, Nerven und Geld investiert. Allen Leidensgenossen kann ich das Buch „MenschHund, warum ziehst Du nur so an der Leine“ von Ariane Ullrich empfehlen. Es hat mich aufgemuntert, neu motiviert und viele praktikable und wirkungsvolle Übungen aufgezeigt. Den letztendlichen „Durchbruch“ zur Leinenführigkeit in jeder noch so schwierigen Situation gaben uns aber zwei genau so geniale wie einfache Tipps von Lynn und Denise. So ist es nun unvermeidlich, dass sogar das Bienchen endlich verstanden hat, was „leinenführig“ bedeutet.