
Für mich stellt die Dummyarbeit die beste Möglichkeit dar, Gassigehen, Teamarbeit, Spaß, Erziehung, körperliche und geistige Auslastung zu vereinen. In der Dummyarbeit steckt unheimlich viel Erziehungstraining und ich kann dadurch Bienes Jagdtrieb sehr gut kontrollieren.
Weil mit Dummies auf Wald und Wiese gearbeitet werden kann, ist es nicht nur eine Beschäftigung, die das tägliche Gassigehen aufregender macht. Vielmehr stellt das Dummytraining für uns inzwischen den wichtigsten Hauptbestandteil des Antijagdtrainings dar.
Biene ist eine Sichtjägerin. Bei der Dummyarbeit geht es überwiegend darum, dass der Hund den Dummy fallen sieht und sich die „Landestelle“ gut merkt. Natürlich darf der Hund den Dummy auch mal erschnüffeln, aber hauptsächlich geht es um die reine Sicht. Und dann darf der Hund dem Dummy hinterherfetzen, damit wieder zurück zu seinem Menschen fetzen und sich dabei so richtig auspowern. Die Dummyarbeit macht nicht nur Sichtjägern Spaß und eignet sich für viele Hunde sehr gut als Jagdtriebkontrollarbeit .
Es eröffnet uns die Möglichkeit, sehr viel an der Impulskontrolle zu arbeiten. Zur Vorbereitung auf Wildbegegnungen können wir mit Hilfe der Dummyarbeit wunderbar „trocken“ üben und diese Übungen dann nach und nach in die Arbeit am Wild einsetzen. Für Biene ist die Arbeit mit den Dummies ein guter, triebbefriedigender Ersatz zum Jagen. Und so ist das Dummytraining im Laufe der Zeit unsere größte Stütze bei der Arbeit am Wild im Antijagdtraining geworden.
Gelernt haben wir das Dummytraining bei Lynn. Im Vordergrund steht bei uns zwei der Spaß am gemeinsamen Arbeiten. Daher sind dabei auch alle möglichen Spielzeuge als Dummies, Zerrspiele mit dem Dummy und ein nicht perfektes Aufnehmen und Ausgeben erlaubt.

Ursprünglich stammt das Arbeiten mit Dummies aus England (Dummy = Atrappe). Dummies werden anstelle von Wild zum Apportieren verwendet und sind mit Kunststoffgranulat oder Sägemehl gefüllte Segeltuch- bzw. Canvasstoff-Säckchen. Es gibt sie in verschiedenen Gewichtsklassen – vom Welpen- über das Juniordummy (200-400 g) bis hin zum 5 kg schweren Dummy für die Einarbeitung auf schweres Wild. Auch gibt es spezielle Wasserdummies aus Kunststoff sowie Dummies mit Kaninchen- oder Fuchsfell überzogen.
Wir arbeiten mit allen möglichen Apportiergegenständen und beschränken uns nicht nur auf die typischen Dummies. Mir ist nur wichtig, dass der Hund seine Apportiergegenstände liebt, denn nur dann ist auch der Erziehungseffekt am größten. Erfahrungsgemäß sind viele Hunde ganz verrückt nach Wildfelldummies, quietschenden und pelzigen Dummies. Biene bevorzugt die besonders hilflos quietschenden Dummies mit flauschigem Fell vom Hasen oder Reh... :-)
Bei der Arbeit mit Dummies sollen jagdnahe Situationen nachempfunden werden, ohne mit echtem Wild arbeiten zu müssen. Da die Dummyarbeit den typischen Arbeitseigenschaften der Retriever entspricht, sind hier diese Rassen natürlich überwiegend verteten. Es ist aber auch eine sinnvolle Beschäftigung für alle möglichen anderen Rassen und Mischlinge, da jeder Hund einen mehr oder weniger starken Jagdtrieb besitzt und dieser durch eine gut aufgebaute und sinnvoll durchgeführte Dummyarbeit besser kontrolliert werden kann.
Trotz aller Erziehung möchte ich jedoch betonen: für uns ist die Dummyarbeit in erster Linie Spaß. Ich hoffe, die Bilder verdeutlichen das!
Im Folgenden erkläre ich ein wenig die Grundregeln der Dummyarbeit, erweitert um eigene Erfahrungen und das, was ich bisher in Kursen und Seminaren lernen durfte. Beim Lesen bitte nicht vergessen, dass Biene und ich die Dummyarbeit nur zum Spaß machen und es als sehr wertvolle zusätzliche Erziehungshilfe nutzen.
Der Hund sieht das Dummy fallen, prägt sich die Fallstelle gut ein und kann somit das Objekt gut markieren. Eine Markierung kann in verschiedenen Gebieten erfolgen und je nach Gelände und Distanz kann die Markierung für den Hund schwieriger oder einfacher sein. Bei großer Distanz und unwegsamem Gelände (zum Beispiel hohes Gras) soll sich der Hund bei korrekter Markierung die Fallstelle gut einprägen, wird aber aufgrund der Gegebenheiten beim Eintreffen an der Fallstelle in einem kleinen Radius noch seine Nase einsetzen müssen.

Hier kann man dem Hund anfangs helfen, indem man ein für den Hund gut sichtbares Dummy (z.B. mit weißen Tennissocken überzogen) verwendet. Auf freien Strecken, an denen das Dummy nach dem Fallen mit freiem Auge erkennbar ist, soll der Hund bei guter Markierung ohne Suche apportieren.
Besonders in den Anfängen der Dummyarbeit ist es für den Hund wichtig, so viele Dummies so leicht wie möglich zu finden, um aufgrund der vielen Erfolgserlebnisse Spaß an der Arbeit zu finden. Deshalb arbeite ich mit Biene nur auf Wiesen mit niedrigem Gras.
Neben dem Markieren eines einzelnen Objektes gibt es noch die Möglichkeit von Mehrfachmarkierungen mit zwei oder mehreren Apportiergegenständen. Die Markierungen erfolgen im vom Menschen vorgegebener Reihenfolge. Wichtig ist, dass der Hund nur auf Kommando apportiert und nicht unkontrolliert losschießt.
Freiverlorensuche ist ein Apport, bei dem weder Hund noch Mensch (am Anfang kann natürlich der Mensch das Dummy verstecken) die genaue Fallstelle des Dummies weiß. Die Freiverlorensuche kann daher gut auf Wiesen mit hohem Gras oder im Wald geübt werden.
Ziel dieses Apports ist es, dass der Hund durch selbständige und möglichst systematische Suche das Objekt möglichst rasch findet. Die Verlorensuche kann mit einem oder mehreren Objekten erfolgen.
Hier kann es anfangs helfen, nur Dummies zu verwenden, die recht stark nach dem Menschen oder nach etwas anderem riechen, das für den Hund angenehmen ist (z.B. Dummies mit Hasenfell, Futterdummies).
Die Freiverlorensuche ist für den Hundemenschen eine gute Gelegenheit, die Körpersprache seines Hundes besser kennen und lesen zu lernen. Falls man - so wie ich - mit einem jagdlich interessiertem Hund „gesegnet“ ist, ist dieses Wissen beim täglichen Spaziergang mit dem „Nasentier“ sehr nützlich. Ich kann inzwischen leicht unterscheiden, wann mein Hund nur „Zeitung liest“ und wann er plötzlich eine Spur hat, so dass ich sofort erziehungstechnisch sinnvoll reagieren kann.
Auf dem Foto seht ihr eine hochkonzentrierte Freiverlorensuche in einem wildreichen Gebiet im Schnee.
Hier kennt der Mensch den Bereich des Dummies und kann somit seinen Hund einweisen. Mithilfe seiner Stimme, Handzeichen und je nach Kommandowahl auch seiner Pfeife schickt der Mensch seinen Hund möglichst direkt ins Fallgebiet, wo der Hund dann innerhalb eines kleinen Radius mit der Suche beauftragt wird.
Wir verwenden dazu die Befehle „Links“, „Rechts“ und „Voran“, die ich Biene mit dem ausgestreckten Arm, der entsprechenden Körperhaltung und Blickrichtung angebe.
Wichtig ist, dass die Arbeit nur auf Kommando erfolgt. Sei es nun bei einer Markierung durch „Bring“, bei einer Suche durch „Such“, „Such Verloren“ und/oder Suchpfiff oder beim Einweisen durch Pfeifensignale, verbale Kommandos, Armsignale und anschließendem Suchkommando – der Hund darf nicht selbständig ohne Signal zum Apport lossprinten (einspringen).

Ich ertappe mich auch manchmal dabei, unklare Signale zu geben. Dann hole ich Biene einfach ohne großes Aufsehen wieder zu mir zurück und gebe das Signal erneut und dieses Mal verständlich. Wenn sie aber ohne Kommando lossprintet, gebe ich ein klares Abbruchsignal, was dann auch mal ein „Nein“ sein kein.
Natürlich ist Dummyarbeit Spaß, aber auch hier gibt es Regeln, die eingehalten werden müssen. Wenn ich zu oft das Abbruchsignal geben muss, ist die Übung noch zu schwierig und ich muss einen, besser zwei Schritte zurückgehen.
Eine klare Kommandogabe ist das A und O der Verständigung zwischen Hund und Mensch. Daher bevorzuge ich die Signalgebung mit starkem Körpereinsatz, verbunden mit Wortsignal.
Als Steadiness wird das freie Sitzen und Warten bis zum Apportkommando ohne unerwünschtes Einspringen bezeichnet. Besonders am Anfang ist es wichtig, hierauf sehr großen Wert zu legen, damit sich der Hund nicht selbst belohnen kann. Gerade bei jungen Hunden und Hunden, die noch nicht gelernt haben, ihre Impulse zu kontrollieren, ist es wichtig, anfangs nur mit Leine zu üben.
Dann wird in kleinen Schritten die Intensität des Werfens, die Wurfrichtung (eine sehr starke Verlockung und daher nichts für Anfänger ist beispielsweise ein Wurf des Dummys direkt über den Kopf des Hundes) und die Entfernung des Hundes zum Menschen und zum Dummy aufgebaut.
Natürlich ist dabei das Wichtigste, nur dann zum nächsten Schritt zu gehen, wenn der vorhergehende gut beherrscht wird. Nicht nur in den Anfängen, sondern auch später darf allein eine gute Steadiness immer mal wieder belohnt werden.
Auf dem Bild seht ihr eine schöne Übung zur Impulskontrolle: Fußgehen, während Dummies neben dem Hund auf den Boden fallen. Biene muss sich hierbei die Fallstelle merken, um sie dann im Anschluss in vorgegebener Reihenfolge zu apportieren.
Gewünscht ist, dass sich der Hund mit dem Apportiergegenstand vor seinem Hundeführer setzt oder stehen bleibt und den Gegenstand nur auf Kommando ausgibt.
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„Na, hast du Lust?“ |
Bei Biene hatte ich anfangs immer das Problem, dass sie den Dummy zwar gebracht hatte, aber nicht hergeben wollte. Auch wenn ich mich auf den Boden gesetzt oder mich weggedreht und sie zum Herbringen animiert und mit Leckerchen gewunken habe, hat sie sich immer genauso weit von mir weggestellt, dass ich das Dummy gerade nicht erreichen konnte. Geholfen hat dabei nur das lange Üben mit Schleppleine, anfangs nur mit Futterdummy, später mit vielen guten Leckerchen oder beliebtem Spielzeug als Tauschgegenstand.
Später ist einer Freundin beim gemeinsamen Üben aufgefallen, dass Biene, wenn sie den Dummy mal wieder nicht hergeben mochte, kurz vorher zum Zerren angeboten hatte. Sie wollte ihn mir nicht geben, weil ich ihre Aufforderung nicht verstanden hatte und nicht darauf eingegangen war.
Das gemeinsame Zerren war der letzte Schritt zum richtigen Apport bei Biene. Seitdem bringt sie den Dummy immer und sehr zuverlässig. Da ich die Dummyarbeit nur zum Spaß mache, zerren wir immer wieder gern zwischendrin, denn es ist für sie nach wie vor die beste Belohnung und Motivation.
Biene hat bis zu ihrem ersten Lebensjahr nie den Apport von sich aus angeboten. Auch mit dem Klickertraining bin ich da bei ihr nicht weit gekommen. Es war ihr z.B. unangenehm, etwas, mit dem sie eigentlich gern spielt, auf einmal nur im Maul halten zu müssen.
Biene hat das Apportieren nur mit dem Futterdummy, verbunden mit Schleppleine gelernt. Sie hat dabei ein halbes Jahr lang ihre gesamte Futterration nur aus dem Futterdummy bekommen. So hat sie gelernt, dass das Bringen echt Spaß machen kann, weil sie direkt aus dem Dummy gefüttert wurde und gleichzeitig nicht die Möglichkeit hatte, sich aus dem Dummy selbst zu belohnen.
Zu dem Zeitpunkt, als Biene das Apportieren gelernt hatte, fing ich auch mit dem Schleppleinentraining an. Dieses ermöglichte es mir, ihr beizubringen, dass ein leichtes Ziehen an der Schleppleine im ersten Schritt signalisierte, mit dem Dummy zu mir zu kommen. Um eine Belohnung zu erhalten, musste sie mir im zweiten Schritt den Dummy in die Hand legen.
Die Dummyarbeit ist übrigens nicht nur für Retriever geeignet. Ich kenne mehr als genügend Hunde, die zu den typischen „Nicht-Apportierer-Rassen“ zählen und mit großer Begeisterung mit Dummies arbeiten. Das Apportieren muss nur richtig aufgebaut werden. Und man muss dem Hund auch ein wenig Zeit lassen. Dann steht dem freudigen Holen und Bringen nichts mehr im Wege.
Biene lässt sich – wie überall - auch bei der Dummyarbeit leicht ablenken. Daher baue ich beim Sitzen und Warten schon eine hohe Spannung auf, indem ich ihre Aufmerksamkeit auf mich lenke und sie dann mit dieser Spannung zum Dummy losschicke. Bei ihr wirkt das wahnsinnig gut und sie kommt dadurch von Anfang an schnell in einen gewissen Arbeitsmodus.
Unser bisher größter Erfolg war eine Kursstunde mit Dummyarbeit im Wald, in dem ich mit ihr noch am Tag zuvor an der Leine Spazieren gegangen, sie jedoch nur körperlich anwesend war, da ihre Schnauze am Boden entlang saugte, um gründlichst den Wildspuren nachzuschnüffeln und sich gedanklich in diesen Gerüchen zu suhlen. In der Kursstunde hingegen war Biene komplett auf mich und die Dummies konzentriert. Sie war die ganze Stunde im Arbeitsmodus!
Zum Abschluss der Stunde haben wir eine Freiverlorensuche mit zehn verschiedenen Dummies gemacht, bei der fünf Hunde abwechselnd losgeschickt wurden – mitten auf einem Waldboden mit Wildspuren ohne Ende und einer Pansenspur vom vorhergehenden Fährtenkurs. Alle Hunde haben nur die Dummies gesucht und eine schlicht geniale Dummyarbeit gezeigt. Ich war einfach nur baff und so stolz auf meine „Jägerin“!

Und wer noch ein richtig gutes Buch zur Dummyarbeit sucht, der ist mit diesem hier ganz besonders gut beraten. Nicht (nur) deshalb, weil Biene auf dem Cover und im Buch zu sehen ist ;-), sondern weil hier eine erfahrene Trainerin ihr umfangreiches Wissen zum Thema Dummytraining einerseits und Hundeverhalten andererseits sehr anschaulich und gut verständlich vermittelt. Die Übungen sind so aufgebaut, dass sie für jede Mensch-Hund-Konstellation gut zu schaffen sind. Das Hauptaugenmerk liegt auf einem erfolgreichen, abwechslungsreichen und freudigen Training und – wie kann es bei Lynn als Autorin auch anders sein – dem Antijagdtraining und genau das unterscheidet dieses Buch für mich so sehr von den anderen Dummytrainingsbüchern auf dem Markt. Hier kann man einen kleinen Blick hinein werfen.
Die schönen Bilder dieser Seite stammen fast alle von Matthias. Mehr von seinen Bildern könnt ihr auch im Buch sehen! Ein toller Schnappschuss dieser Seite ist von Jacqueline - danke dafür!
Quellen für diese Seite: www.dog4life.de, www.ig-apbt.org, viele informative und produktive Kursstunden bei Lynn Hesel und eine gute Menge eigener Erfahrungen